Psychotherapie

Psychotherapie, kann man – sehr verkürzt – sagen, ist eine Methode, um seelische oder seelisch verursachte Probleme zu lindern und zu heilen.
Was führt Menschen in Therapie? Wenn sie „steckengeblieben sind in ihrer Angst, ihrer Unzufriedenheit, ihren schiefgegangenen persönlichen Beziehungen, ihrem Unglücksgefühl“, meint Lore Perls, eine Begründerin der Gestalttherapie.
Psychotherapie wird als Unterstützung in Anspruch genommen, weil Menschen in ihrem Leben oder an sich selbst irgendetwas als unzureichend, hinderlich oder leidvoll erleben. Und weil sie keine Möglichkeiten mehr wissen, das aus eigener Kraft zu verändern.
Sie erhoffen sich Unterstützung bei der Veränderung oder sogar Heilung durch den Therapeuten.
Der Prozess dieser Heilung verläuft allerdings anders, als es viele Menschen erwarten. Da wird Heilung oft wie die Reparatur eines defekten Apparates verstanden, der durch die richtigen Eingriffe und/oder Mittel wieder funktionstüchtig gemacht werden kann. Der Mensch ist jedoch keine Maschine, sondern ein ganzheitlich funktionierender, komplexer Organismus, der auf einer leiblichen, seelischen, geistigen und energetischen Ebene mit anderen verknüpft existiert. Diesen komplexen Strukturen wird das Modell des Menschen als technischer Apparat nicht gerecht. Die Reparatur ist nicht so einfach wie bei einer Waschmaschine. Denn diese trägt zu ihrem wieder Funktionieren nichts bei, der Mensch dagegen zu seinem sich wieder heil und ganz Fühlen schon. Deshalb arbeiten wir daran, die Selbstverantwortung und den Einfluss auf Ihre eigene Entwicklung wiederherzustellen, der oft ersetzt wurde durch Erlebens- und Verhaltensweisen und Denkmuster, die den unglückseligen Zustand erhalten und verfestigen.
Das Ziel von Psychotherapie kann nur darin bestehen, festgefahrene Muster des Denkens, des emotionalen und körperlichen Erlebens und des Verhaltens bewusst zu machen und erleben zu lassen. Damit ist ein wichtiger Schritt verbunden, der dem Alltagsverstand besonders seltsam vorkommt: Es ist nötig, das, was einen unglücklich macht, in allen Dimensionen zu akzeptieren als Teil des gegenwärtigen Seins, der Art und Weise, wie man gerade in der Welt ist. Nur durch das Annehmen wird paradoxerweise Veränderung möglich. Ansonsten wird große Energie darauf verwendet, das, was einen bedrückt oder umtreibt, von sich fern zu halten und dadurch zu verewigen. Anklage und Selbstvorwürfe werden durch Annehmen (= Vergebung) umgewandelt in Energie und Kraft zur Veränderung. Dadurch eignet der Mensch sich die Fähigkeit zu Wachstum und Veränderung wieder an, die er von Natur aus besitzt.
 
Als Entscheidungshilfe finden Sie unten eine Liste von Fragen, mit der Sie klären können, ob für Sie psychotherapeutische Unterstützung sinnvoll ist. Wenn Sie viele dieser Fragen mit Ja beantworten, scheint es mir sinnvoll, dass Sie sich Hilfe holen.

  • Sind Sie ständig/oft unzufrieden mit sich, ihrem Leben, ihrer Partnerschaft?
  • Fühlen Sie sich oft ungerecht behandelt, hilflos und unfähig, etwas dagegen zu tun?
  • Empfinden Sie ohne erkennbaren Anlass oder einem Anlass nicht angemessene heftige Gefühle (wie Wut, Hass, Trauer, Angst) oder Körperreaktionen (wie Weinen, Schlafstörungen, Schweißausbrüche, Schmerzen)?
  • Neigen Sie zu Verhaltensweisen, die Sie sich selbst oft nicht erklären können?
  • Muss in Ihrem Leben alles einen exakt geregelten Ablauf haben? Werden Sie ängstlich oder ärgerlich, wenn er durchbrochen wird?
  • Haben Sie den Eindruck, dass sie in einer persönlichen oder beruflichen Krise stecken, die Sie alleine nicht mehr bewältigen können?
  • Belastet Sie Ihre Arbeit so stark, dass Sie ständig daran denken oder unter Schlaflosigkeit leiden?
  • Fühlen Sie sich oft niedergeschlagen, antriebslos und fragen sich, was das alles soll?
  • Sind ihre persönlichen Beziehungen zu anderen Menschen instabil oder neigen Sie dazu, Beziehungen abrupt zu beenden?
  • Verlieben Sie sich immer wieder in Partner/-innen, von denen sich Sie enttäuscht fühlen?
  • Leiden Sie unter Einsamkeit, Selbstzweifeln, grüblerischen Gedanken, Alpträumen?
  • Haben Sie kürzlich als Betroffene/r oder Zeuge/in ein sehr belastendes Erlebnis verarbeiten müssen (Gewalt, Unfall, Todesfall in der Familie, Trennung)?
  • Kritisieren Sie sich selbst und andere sehr heftig und destruktiv?
  • Haben Sie Schwierigkeiten, Ihre Gefühle zu empfinden und/oder zu äußern?
  • Neigen Sie zu unkontrollierten Ausbrüchen von Aggression oder Gewalt, die Sie selbst oder Ihnen nahestehende Menschen erschrecken?
  • Werden Sie von sexuellen Phantasien überschwemmt, die Sie selbst verurteilen oder/und die strafbar sind, falls sie ausgeübt würden?
  • Hat Ihnen jemand empfohlen, sich Hilfe oder Unterstützung zu holen?
  • Sind Sie abhängig von einer Substanz oder einem Verhalten und geraten in Schwierigkeiten, wenn Ihnen das nicht zur Verfügung steht?
  • Leiden Sie unter Ängsten in bestimmten Situationen (z. B. Prüfung, viele Menschen, bestimmte Verkehrsmittel, Zahnarzt) oder Panikanfällen?
  • Suchen Sie einen Sinn in Ihrem Leben?

Wenn Sie mit mir Kontakt aufnehmen, vereinbaren wir einen Termin für ein Vorgespräch. Wir klären Ihr Anliegen, Sie können einen Eindruck von mir und meiner Arbeit bekommen und alle Fragen stellen, die Sie bewegen. Wir besprechen, ob eine Beratung oder Therapie sinnvoller ist, wie lange diese dauert und die Kosten, mit denen Sie zu rechnen haben. Es kann auch sein, dass ich glaube, für Ihr Anliegen nicht der richtige Therapeut zu sein. Dann empfehle ich Ihnen, besser einen Kollegen oder eine Kollegin aufzusuchen.
Danach können Sie in Ruhe überlegen, ob Sie sich auf unsere gemeinsame Arbeit einlassen wollen. Wenn Sie sich dafür entscheiden, besprechen wir die Einzelheiten unserer Zusammenarbeit. In den meisten Fällen ist es sinnvoll, dass Sie mit einem Termin pro Woche rechnen, aber es sind auch andere, intensivere oder weniger dichte Zeitintervalle möglich.