Gestalttherapie

In der Gestalttherapie versucht der Therapeut bzw. die Therapeutin mit Ihnen herauszufinden, was Sie hier und jetzt erleben, d. h. was sie empfinden, denken, fühlen, wünschen. Was tun Sie, brauchen Sie, fühlen Sie heute, gerade jetzt? Was hindert Sie daran oder wie hindern Sie sich selbst daran, das zu bekommen, was Sie glücklich und zufrieden machen könnte? Gestalttherapie ist ein ganzheitlicher Ansatz, daher achte ich auf körperliche Reaktionen und Atmung, nicht nur auf das, was Sie sagen. Häufig schlage ich Ihnen kleine Übungen vor, um Ihr Erleben näher zu erforschen.

Je mehr Sie herausfinden, was Sie gerade jetzt erleben, desto eher werden Sie sich bewusst, was Sie tun, wie Sie es tun, ob Sie damit zufrieden sind oder nicht. Um so eher können Sie entscheiden, ob Sie sich weiter so verhalten wollen oder nicht. Gestalttherapie betont also Ihre Selbstverantwortung. Ich als Ihr Therapeut kann nichts für Sie tun; Sie sind Ihr eigener Experte, Ihre eigene Expertin. Ich kann Sie darin unterstützen immer mehr Ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen.

Gestalttherapie ist nicht nur eine Ansammlung psychotherapeutischer Techniken, sondern beruht auf philosophischen Konzepten.
Sie hat ihre philosophischen Wurzeln in der Phänomenologie, dem Holismus und Existenzialismus. Das heißt,

  • sie versucht Menschen und ihr wahrnehmbares Verhalten zu beschreiben, nicht zu deuten und leitet Klienten dazu an, sich selbst hier und jetzt wahrzunehmen,
  • sie versteht den Menschen als ein Wesen, das nicht aus einem Faktor (z. B. dem Körper oder der Seele) erklärt werden kann,
  • sie beschäftigt sich nicht so sehr damit, die Vergangenheit zu untersuchen, sondern damit, wie sich das, was man früher erlebt hat oder was ich zukünftig zu erleben glaube, jetzt, in diesem Moment, auswirkt.
  • Gestalttherapie möchte Sie dazu anleiten, die Vielfalt und Besonderheit Ihres gegenwärtigen Erlebens zu untersuchen.
  • Und schließlich findet all das in der Begegnung mit einem Menschen statt, der neben seiner fachlichen Kompetenz eine Beziehung auf Augenhöhe zu Ihnen anstrebt. Denn nur in einer herzlichen, von Sympathie bestimmten Beziehung können persönliches Wachstum und Heilung stattfinden.

Die psychologischen Wurzeln der Gestalttherapie sind die Tiefenpsychologie Freuds und seiner Nachfolger und die Gestaltpsychologie.

Das Menschenbild der Gestalttherapie

Die Gestalttherapie nimmt an, dass der gesunde menschliche Organismus sich lebenslang weiterentwickelt, denn nur so können wir in immer wieder neuen Situationen unsere Bedürfnisse befriedigen. Die Gestalttherapie versteht den Menschen als ein ganzheitliches Wesen, dessen Persönlichkeit aus der Einheit und dem Zusammenspiel von Leib, Seele und Geist gebildet wird.

Der Mensch steht immer wieder vor der Aufgabe, sich schöpferisch mit der Umwelt und neuen Aufgaben auseinanderzusetzen. In diesem Prozess findet ein ständiger Austausch mit der Umwelt (im weitesten Sinn) statt. Dieser Vorgang heißt in der Gestalttherapie Kontakt. Wenn Menschen seelische oder seelisch bedingte Probleme haben, ist der Austausch zwischen ihnen und der Umwelt behindert und die Fähigkeit zur kreativen Auseinandersetzung mit der Umwelt eingeschränkt. Der Grund dafür liegt meist in frühen Lebenserfahrungen und den damals erlernten emotionalen, kognitiven und Verhaltensmustern. Wenn ein Mensch sich unter schwierigen Lebensbedingungen behaupten muss, versucht der Organismus irgendwie das Überleben (körperlich und seelisch) zu sichern. Auf diese Weise können Weisen des Fühlens, Denkens und Verhaltens entstehen, die ursprünglich einmal sinnvoll waren, aber unter neuen Bedingungen eine Selbstbeschränkung sind, die Unzufriedenheit und Leid verursacht.

Sie können sich das so vorstellen: Ein Baum wächst eingezwängt zwischen Mauern, wenig Licht und Erde steht ihm zur Verfügung. Um zu dem zu kommen, was er zum Überleben braucht, wird er vielleicht eine ungewöhnliche Form entwickeln, kleiner bleiben als üblich, weniger Äste und Blätter hervorbringen, sehr hoch wachsen, um mehr Licht zu erreichen. Angewandt auf Menschen heißt das: Wenn jemand in einem prägenden Lebensabschnitt schwierige Bedingungen vorfindet, entwickelt er auch in dieser Situation Möglichkeiten zum Überleben. Möglicherweise, aber nicht zwingend, entsteht daraus eine seelische oder psychosomatische Störung. Ein solches Symptom stellt in gewissem Sinn eine schöpferische Leistung des Organismus dar. Es ist auch Ausdruck der Lebensenergie, nicht nur ein Mangel und ein Beweis für die Kraft eines Menschen, sich unter schwierigen Bedingungen zu behaupten. Das Problem besteht darin: Möglicherweise wird unter neuen und besseren Bedingungen ein Verhalten fortgesetzt, das heute unangemessen ist und Schwierigkeiten verursacht.

Therapeutische Unterstützung besteht nun darin, den Klienten/-innen die blockierten Möglichkeiten wieder zugänglich zu machen, so dass sie ihren Weg alleine weitergehen, mehr Lebensfreude und persönliches Wachstum erleben können.

Wenn eine gute Fee den oben beschriebenen Baum eines Tages in bessere Wachstumsbedingungen verpflanzen würde, könnte er sich entfalten und entwickeln. Genau darum geht es auch in der Gestalttherapie: Die schöpferische Freiheit und die Möglichkeiten des Menschen zu entwickeln und freizusetzen, wenn sie beschränkt sind. Das Ziel ist: den Klienten/-innen zu mehr Lebendigkeit, Freude und Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu verhelfen.

Für meine Arbeit mit Menschen sind folgende Grundsätze besonders wichtig:

Im Grunde ist jedes Problem, jede „Störung“ ein Ruf des Herzens nach Liebe und Angenommen-Werden.

Bewusstheit, Achtsamkeit und möglichst bewertungsfreies Erfahren der Welt ermöglichen ein Leben, in dem Sie sich zufrieden und eins mit sich selbst fühlen.

Es ist besser, eine Kerze anzuzünden als über die Dunkelheit zu jammern.

„Veränderung geschieht, wenn jemand wird, was er ist, nicht, wenn er versucht, etwas zu werden, das er nicht ist. ...und das heißt, sich voll und ganz auf sein gegenwärtiges Sein einzulassen.“
(Arnold Beisser, querschnittsgelähmter amerikanischer Gestalttherapeut)

Ein Meister ist jemand, der dich solange liebt, bis du dich selber lieben kannst.
(Sufi-Weisheit)